Freitag, 11. Februar 2022

Die Welt kommt zu Besuch - EXPO 2020

Der Chronist sitzt mit seiner Truppe im Bus nach Abu Dhabi, Louvre und Riesenmoschee. Der Bericht dazu kommt später. Er ist im Stress. Seine Enkel versorgt er mit Videos pluss dem hier, ist aber den ganzen Tag unterwegs. Er ist der Zweitälteste, nur Stadtplaner Rolf aus der Schweiz, der in der Hamburger Hafencity lebt, ist älter. „Wir müssen akzeptieren, dass es nicht mehr alles so geht.“ Auch wenn es sich auf Schweizerdeutsch nicht so ernst anhört, will  der Chronist davon nichts wissen, fühlt sich aber als jemand, der kopfüber in der Regentonne hängt und dort die letzten Pfützchen auskratzt, um weiterzumachen können. (Gruppenfoto wird nachgeliefert)

 

Noch nachzutragen: Hoteldachterrasse
Hannover 2000, Shanghai 2010, und jetzt Dubai 2020. Die Zehnerjahre-Expos sind die großen und der Chronist war da. Obwohl wir bereits 2022 haben, heißt sie 2020 und war auch dafür vorgesehen. Und Dubai wäre nicht Dubai, wenn sie nicht alles gegeben hätten. Muhammad bin Raschid Al Maktum ist Landeschef. Er hat eine klare Vorstellung davon, wie seine Stadt auszusehen hat, wie sie überleben kann. Was der Chronist nicht wusste: Dubai ist nur eine Stadt und hat praktisch keine Landesfläche und das Öl ist schon lange alle Mit zwei Prozent trägt es praktisch nicht mehr zum Bruttosozialprodukt bei. Dubai ist im Stile Singapurs ein Wirtschaftszentrum mit null Steuern, Freezones für die verschiedensten Wirtschaftszweige, Hotels, Hotels, Hotels und mit Superlativen. Rund 50000 tausend Menschen lebten in den 70ern an der Mündung eines langen Meerarmes, der Boom startete in den 90ern, erreichte seinen Höhepunkt 2008, als wegen der weltweiten Kreditblase nach einer Immobilienmesse der Stecker gezogen wurde und von heute auf morgen die Kräne stillstanden.

Jetzt läuft es wieder und der Scheich, der seine Stadt von jetzt 3,1 Mio Einwohner auf 6 Mio bringen will, hat ein System, das zwar nicht immer funktioniert, aber meistens. Natürlich handelt er nicht allein, aber er gibt die Grundidee vor, die am Ende auch sehr sozial ist und die von staatlichen und privaten Entwicklern umgesetzt wird. Und zu diesem System gehört auch die Idee der EXPO. Das Gelände liegt eine Autostunde von der Stadt entfernt, es ist mit einer neuen Metro erschlossen, deren Fahrt auch eine Stunde dauert. Bis auf wenige Gebäude werden fast alle Pavillions hinterher abgerissen und das Gelände wird ein neuer Stadtteil mit Büros und Wohnungen. Und die jetzt noch wüste Landschaft beidseits der achtspurigen Ausfallstraße soll Stadt werden.



EXPO, EXPO rufen die Kinder am Eingang beim Gruppenfoto. Auch Sofia treibt ihre Schäfchen vor einem der drei imposanten und doch federleichten Eingangstore zusammen: Ein Geflecht aus Carbonfaserdraht (aus Deutschland). Ihr Papa Hannes, der Büropartner von Dominic führt uns. Der Chronist erhält als Ü60 eine Seniorguest Card. Ihren wahren Vorteil wird er erst am zweiten Tag schätzen lernen. Graziella aus Wien ist schon ziemlich unruhig. Als Sammlerin will sie alle Stempel zusammenbekommen. 

Des Chronisten Versehrtenschein

Graziella Handschuhs Sammlerkunstwerk

 

Unberechenbar; man hat sich darauf geeinigt, dass es standfest ist.

Bahrain hinter der Tapetentür: Jeder Pavillion hat seine Regierungschefsuite

Hannes hat als Residentarchitekturbüro den Vermittler und Vorortplaner für eine Reihe Pavillions gemacht. So weiß er eine Menge Details, an die man als Normalbesucher nie herankäme. Wieder ist der Chronist, wie schon in Shanghai vom deutschen Pavillion etwas enttäuscht. Dort wird für 50 Mio Euro die Welt erklärt und an fummeligen Apparaturen klimafreundliche Technik gezeigt, einschließlich einem Erdkubus mit überdimensional dicken Regenwürmern. Das machen auch die Videoschaukeln am Ende des Durchganges und die schweinefreie Currywurst nicht wett. Nach des Chronisten Geschmack geht es nicht. Es stehen die Gäste in langen Schlangen davor. (Fotot vergessen, schade)

 

Russland ohne Ecken und Kanten

Teheran

...auch nicht einfach so dahingestellt

Finnland


 
Holland: Rustikal, preiswert, stabil und wiederverwendbar; der Scheich liebt das nicht

Russland bezaubert, Teheran bezaubert, die Hülle von Finnland auch. Österreich, die mit ihrem Pavillion ganz unglücklich sind, bezaubern sehr. Saudi Arabien fasziniert. Ja, der Chronist wird hier keine Aufzählung liefern. Langweilig, er liefert Bilder. Er ist glücklich, bei diesem Weltereignis dabei zu sein. Am zweiten Tag überlässt uns die Führung uns selber. Der Chronist geht erstmal zu Kolumbien Kaffee trinken. Mit seinem orangenen Seniorpass wird er an den Pavillions zur Smartline gewunken und ist immer sofort dran. Wenn ihm schlapp ist, hält er einen der Golfkarren mit der Aufschrift On Demand an und lässt sich nach da und da fahren. Covid bedingt rechnet man mit der Hälfte der 25 Millionen geplanten Gäste. Es ist nicht lästig voll, es ist picobello sauber und es ist auch atemberaubend, liefert Gänsehaut und ist zum Staunen. Mittel sind beim Gastgeber vorhanden. Über eine Verlängerung denkt man nicht nach. Jeder Tag kostet einfach zu viel. 

Pavillion der Ideen; 3000 t Stahl als Trägermaterial für Solarpaneele, zur Verschattung

Ohne Worte

Der Chronist im Regenring: Saudi Arabien
Zentral neben dem Dubaipavillion, dessen Form einem Falken nachempfunden ist und dessen Flügel hydraulisch geöffnet, Solarzellen freigeben, ist eine riesige Kugel gitterförmig hingestellt worden, 135 m im Durchmesser, ausgefuchste Videokanonen verzaubern nach dem Einbruch der Dunkelheit das Gerippe und die Häute dazwischen mit einer Orgie aus Licht und Musik. 

Das Zentrum

 
Der Falke schläft: Dubai

Dahinter ist ein riesiger Wassertopf, der dem Chronisten Gänsehaut besorgt. Zu Musik und Licht schickt eine unsichtbare Technik große Wassermassen über den Rand, die die konkav geformten Seitenwände runterrauschen. Man kann den Blog ja auch mit Videos füttern, was hier wenigsten ein bisschen Atmosphäre vermittelt. Der Chronist ist mit Familie Demmelhuber dort, ein großer Laden- und Trockenbauer aus Altötting, die mit Sohn und Neffen unterwegs sind. Es sind also nicht nur Alte und Schwache unterwegs. Selbst Horst aus Ingolstadt ist nicht wirklich alt, aber das Abfertigungsdrama in Frankfurt, sein ziemlicher Bauch und seine ziemlich schwere Golfausrüstung haben ihn etwas beschädigt. Er hängt noch eine Woche Golfspiel dran.

 


Tausende Hände aus Indien, Bangladesh, Pakistan, Afrika putzen, fahren Kart, bedienen in den Restaurants oder sind als freiwillige Helfer da. Nachhaltig? Das meiste wird abgerissen und ist nicht mehr brauchbar. Baumaterialien der Pavillionhüllen, Rolltreppen, Toiletten, Betonwände. Nachhaltig ist vielleicht die friedliche Zusammenkunft der Welt, die in den Köpfen nach Hause getragen wird. Solar wäre schön, aber die Sandstürme machen Paneele blind. Die Frontscheiben und Frontscheinwerfer der Autos sind deshalb mit Folie beklebt, die man von Zeit zu Zeit abzieht und erneuert. 

Statt mit dem Tourbus kann man auch mit der Metro fahren. An jedem Ende gibt es für doppeltes Geld einen kleinen Bereich Goldklasse. Leider fährt der Chronist zweimal am falschen Ende und hat nicht den freien Blick nach vorne. Der Zug fährt ohne Fahrer. Egal, es gibt von der erhöhten Trasse beidseits einiges zu sehen. In der Häufigkeit unserer westlichen Ein-Euro und Dollarrama Geschäfte sind hier die Autoläden für Sport- und Luxuskarren gelegen, vollgestellt mit teuerstem Blech.

Ihr Lieben, der Chronist hat etwas luschig von den letzten beiden Tagen berichtet. Sorry. Aber im wackeligen Bus zwischen den ständigen Erläuterungen Dominics fehlt ihm der Schwung. Er wollte aber es nicht auslassen. Er war am zweiten EXPO-Tag sogar vor dem Bustermin mit der Metro allein nach Hause gefahren, fröstelig und unausgeschlafen. Aber außer einem ziemlich guten pakistanischen Essen neben der Metrostation, das mit 31 Dirham weniger als die Hälfte eine Glases Rotwein im portugiesischen Pavillion kostete, hat er nicht mehr viel hinbekommen.

 

Grossbitannien; man wartet auf Prinz Harrry

Schade, er war nicht drin

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